High School in Kanada

Jana - Québec, Mont-Tremblant

Mit diesem Bericht hat Jana beim Essaywettbewerb 2013/2014 den dritten Platz gewonnen!

Das Beste aus sechs Monaten Kanada

Ich denke an die letzten sechs Monate zurück und merke, dass sie etwas ganz Besonderes waren. Jeder einzelne Tag war aufs Neue ein Erlebnis. So wie ich für mein Fotobuch die besten Bilder von meinen SEHR, sehr vielen Fotos aussuchen musste, werde ich für diese zwei Seiten nur die besten Erinnerungen aufschreiben, denn sonst könnte es ein Buch werden. Um es gleich vorweg zu nehmen, es kann sein, dass ich viele Wortwiederholungen habe. Dies liegt einfach daran, dass ich keine besseren Wörter gefunden habe, die meine sechs Monate auf dem anderen Kontinent besser beschreiben können, denn teilweise gibt es einfach gar keine Worte, für das was ich erlebt habe. Es war unglaublich und teilweise eben unbeschreiblich! Mein Kanada Aufenthalt bedeutet für mich: Die Welt neu entdecken, eine andere Kultur kennenlernen, andere Lebensstile leben, in einer anderen Natur zu Hause sein und Menschen mit ihren Gewohnheiten begegnen.

Da ist zum einen meine Ankunft. Ich hatte mir keine direkten Erwartungen an meinen Aufenthalt gestellt, denn zum einen konnte ich es mir noch nicht ganz vorstellen, fünf Monate in einen neuen, anderen Lebensabschnitt zu springen, auch wenn ich vollkommen bereit war. Zum anderen wollte ich auch keine Enttäuschung verspüren. Falls ich kleine Erwartungen hatte, wurden sie auf jeden Fall erfüllt. Wie auch immer, ich wurde am Flughafen in Montreal von meiner Gastmutter Marie-Claude abgeholt, die ich an ihrer roten Winter-Jacke erkannte. In einer Mail hatte sie mir geschrieben, dass sie den Mantel tragen würde. Vom Flughafen aus sind wir dann nach Mont-Tremblant gefahren. Ich würde fünf Monate im Erdbeer-Weg wohnen :)!

Als wir am Haus ankamen, war niemand zu hause. Nach der Hausführung habe ich mich kurz in meinem Zimmer eingerichtet. Dann wartete ich mit meiner Gastmutter auf meine Gastgeschwister, die von der Arbeit bald nach Hause kommen würden. Nachdem ich mein neues Zuhause ein bisschen kennengelernt und die Gastgeschenke an meine neue Familie verteilt hatte, ging ich glücklich, aber hundemüde ins Bett, welches ziemlich groß war.

Am nächsten Morgen schauten Marie-Ève und Sasha, die zwei ältesten Schwestern, in mein Zimmer und fragten mich, ob ich nach dem Frühstück Lust hätte das Klavier abzuholen. Klar kam ich mit, zumal ich leidenschaftlich gerne Klavier spiele! Leider war das Klavier ziemlich grauenvoll verstimmt, aber es war ein Klavier, das fürs erste in der Garage stand, bis wir starke Kanadier gefunden hatten, die uns halfen, es ins Haus zu tragen.

Marie-Claude erklärte mir, dass überall, wo ich eine große weiße Fläche sehe, es entweder ein Golfplatz oder See sei. Es gab ziemlich viele weiße Flächen, es war einer der kältesten und schneereichsten Winter der letzten Jahre in Kanada. Aber es hat auch einfach viel Platz, alles ist so weit und ausgedehnt!!!

Ein anderes Mal, als ich mit Marie-Claude ein sehr intensives Gespräch geführt habe, ging es um Glück und Glückseligkeit. Ich war gerade dabei mein Notizblatt für das Französisch-Examen zu schreiben, das um Glück gehen sollte, als Marie-Claude mit mir über das Thema anfing zu sprechen. Es hat mir zum einen riesig für die Argumentation geholfen, mit ihr darüber zu diskutieren, zum anderen hat es auch einfach Spaß gemacht eine andere sehr realistische Perspektive von Glück kennen zu lernen. Ich meine, in dieser Zeit, war ich so gesehen wie im Flow der Glückseligkeit und konnte somit alles irgendwie fühlen. Ein Ergebnis unseres Gesprächs war, dass Glücklich sein auf Vertrauen und sich kennen aufbaut. Das hieß dann also auf jeden Fall: ich habe mich eingelebt, bin angekommen und fühle mich zu Hause. Eigentlich hieß es nicht nur so, sondern es war die Wahrheit.

Ich habe eine Freundin in Toronto besucht. Es waren gerade Ferien in Québec, somit bin ich mit dem Zug zu ihr gefahren. In Ontario war noch eine Woche Schule bis zur March Brake, deshalb habe ich nochmal eine andere Schule, ein anderes Schulsystem kennengelernt, und gleichzeitig auch noch mein Englisch geübt. Nach der Schule haben wir noch ein paar Unternehmungen gemacht, wie zum Beispiel den Sonnenuntergang vom CN-Tower aus beobachtet, die eingefrorenen Niagarafälle besucht…

Und ich habe die besten Brownies in meinen Leben gegessen. Natürlich habe ich mir das Rezept dann gleich aufgeschrieben. Als ich dann wieder in Mont-Tremblant ankam, sind mir noch drei Stücke der Brownies meines Zug-Lunchs übrig geblieben. Ich habe sie mit meiner Gastfamilie geteilt. Und am selben Abend noch, habe ich nochmal ein Blech mit Brownies gebacken. Da kam es dann dazu, dass ich mir von meiner Tante Plätzchen-Rezepte schicken ließ. Somit gab es die zwei darauf folgenden Wochen um Ostern herum Weihnachtsplätzchen als Nachtisch.

Die Schule machte richtig Spaß, nicht nur, weil sie einfach was Neues war, sondern weil nochmal ganz andere Fächer als in Deutschland angeboten wurden. Klar gab es die "normalen" Fächer wie Mathe, Englisch, Französisch, Sport, aber auch Sciences, was eine Mixtur von Biologie, Chemie, Physik UND Technologie ist. Beim Technologie Teil waren meine Klasse und ich in der Werkstatt und haben eine Ratsche gebaut. Es gab auch das Fach "Art Plastique", welches ich nicht belegte, aber die Ergebnisse verzierten das ganze Schulhaus und sahen einfach toll aus.

Meine Lieblingsfächer waren Geschichte und Musik. In Geschichte habe ich am Anfang nicht alles ganz so gut verstanden, jedoch war es nochmal etwas ganz anderes und besonderes, die québecanische Geschichte kennen zu lernen, so wie unsere gemeinsamen Teile der Geschichte in einer anderen Perspektive zu sehen.

Und Musik, ich kann nur sagen, der Unterricht ist etwas ganz besonderes gewesen. Es war nicht der Musikunterricht, den ich von meiner Schule in München kannte, sondern es war "Orchester". Die ganze Klasse spielte im Orchester ein Instrument, sei es Oboe, Schlagzeug oder ich mit meiner geliehenen Posaune. Dadurch, dass wir acht Mal in neun Tagen Orchester Unterricht hatten, war es auch sehr leicht mitzuhalten und Freunde zu finden. Wir probten einerseits für den Musik-Kontest in Sherbrooke, andererseits für das Konzert am Ende des Schuljahres.

Das Sherbrooke-Erlebnis war eindrucksvoll. Atemberaubend war es Teil von etwas Riesigem zu sein, denn es nahmen über Hundert Orchestren und Symphonien über vier Tage lang an dem Vorspiel teil. Und unser Abschlusskonzert war etwas traurig, denn es war halt das ABSCHLUSS-Konzert, und für viele bedeutete dies Abschied vom Instrument zu nehmen, aber es war ein großer Erfolg.

Unser Orchester hat alleine den Abend mit allen Stücken, die wir in diesem Schuljahr gespielt haben, gestaltet. Das Konzert fand auf einer Theater-Bühne statt und der Zuschauer-, in diesem Fall Zuhörerraum war voll. Meine Gastschwester Sasha hat zum Glück das Konzert gefilmt, sodass ich es immer wieder Revue passieren lassen kann.

Es gibt noch so viel zu erzählen, aber das sind die besten Erinnerungen, die auf zwei Seiten Platz finden. Ich wünsche jedem, der noch ins Ausland geht, genauso viele schöne Erlebnisse und noch mehr.

Noch eine kleine Anmerkung: Es ist schön, im Wald zu leben, denn dann ist die Natur ganz nah. So konnte ich fast jeden zweiten Tag Rehe ums Haus laufen sehen und wurde jeden Morgen vom Vogelgezwitscher geweckt. Ich werde es vermissen.